MIRKO KUBEIN

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February 13, 2012 at 11:05am
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Und dann noch vor der Berlinale den neuen Film von James Benning gesehen. Nightfall. Musste bei dem Titel zuerst an diesen hunderte Jahre alten Song von Cassandra Complex denken. Hat mit Benning natürlich gar nichts zu tun.
Bennings “Nightfall”, das ist 98 Minuten lang eine Einstellung von obigem Wald. Das wußte ich ja vorher. Trotzdem erschrecke ich kurz als das erste Bild auf der Leinwand erscheint: “Oh, und das jetzt 98 Minuten?” Ich mag stehende Einstellungen. The Pictures Don’t Move. Frage mich aber warum ich mir das 98, und nicht nur 45 Minuten lang anschauen soll? Folge weniger dem Film, folge mehr meinen Gedanken. Weil es passiert wirklich nichts.
Anfangs verschwinden sehr schnell die letzten Sonnenstrahlen in den Wipfeln. Dann bleibt alles die meiste Zeit gefühlt gleich. Kein Vogel, kein Tier, kein Blatt. Benning hat die Einstellung zweimal gedreht und sich für diese entschieden, da in der anderen der Wind zuviel Bewegung reinbrachte. Und weil tatsächlich ein Blatt durchs Bild segelte und Benning es einfacher fand, das ganze nochmal zu drehen, als das Blatt digital zu retuschieren.
Denn was Benning zeigen will, worauf der Film reduziert werden soll, ist das Dunkelwerden. Man merkt es aber zunächst nicht. Nur wenn man kurz wegnickt und für zwei Minuten die Augen schließt, sieht man die Veränderung der Lichtstimmung. Das ist wie mit dem Frosch im Kochtopf. M.B. hat es ausprobiert. Dann aber in der letzten halben Stunde geht alles sehr schnell. Dunkler und dunkler wird es, so dass mir sogar der Gedanke kommt, da sei langsam abgeblendet worden. Und plötzlich kommen die Wahrnehmungsverschiebungen und Astlöcher bilden Gesichter, schattige Baumstümpfe werden zu missgebildeten Gnomen.
Dramatischer (ja!) wird es zusätzlich durch die zum Ende hin spektakuläre Soundkulisse, der immer lauter quakenden Frösche eines im Bild nicht sichtbaren Tümpels. Vorher vernimmt man etliche Vogelgesänge, ein, zwei Geländewagen, knackende Äste, und ein stetes Rauschen wahr.
Zuletzt bleibt zwischen den Bäumen ein Himmelsfleckchen übrig, das sehr deutlich ein zur Fratze verzogenes Kleinkindgesicht erkennbar macht. Als mache sich jenes Kind über die Zuschauer lustig, das ganz am Anfang des Films in der ersten Reihe sitzend in die Waldstille hineinquiekte, bis es nach zehn Minuten mit seinen Eltern den Kinosaal verließ. Worüber selbst ich sehr froh war.
Und dann, am Ende Finsternis. Ach, und so schnell vorbei?
Wie wir vor Jahren schon mal im Filmkritik-Blog diskutierten, ist dies nun endlich Bennings konsequenteste Umsetzung seines (film)politischen Konzeptes. Damals hatte er immerhin noch 10 Einstellungen in einem Film versammelt, was mir bei seinem Anliegen Zeit radikal darzustellen, etwas inkonsequent vorkam. Aber es lag wohl vor allem an der technischen Beschränkung. 16mm-Rollen sind halt nur 10min lang. Digital ist besser.
Wie weit er das Spiel mit den langen Einstellungen formal noch treiben kann, frag ich mich. Scheinbar probiert er selbst schon neue Formen aus: die Re-Montage von Youtube-Material.
Der Film “Nightfall” gehört zu der jetzt auch in Berlin zu sehenden Ausstellung Two Cabins von Benning, in der es um die beiden Eskapisten Henry David Thoreau und Ted Kaczynski, dem “Una-Bomber”, die beide lange, einsam in Waldhütten hausten, geht. Scheint schon eine Weile zu gehen, dieses Cabin Project.

Und dann noch vor der Berlinale den neuen Film von James Benning gesehen. Nightfall. Musste bei dem Titel zuerst an diesen hunderte Jahre alten Song von Cassandra Complex denken. Hat mit Benning natürlich gar nichts zu tun.

Bennings “Nightfall”, das ist 98 Minuten lang eine Einstellung von obigem Wald. Das wußte ich ja vorher. Trotzdem erschrecke ich kurz als das erste Bild auf der Leinwand erscheint: “Oh, und das jetzt 98 Minuten?” Ich mag stehende Einstellungen. The Pictures Don’t Move. Frage mich aber warum ich mir das 98, und nicht nur 45 Minuten lang anschauen soll? Folge weniger dem Film, folge mehr meinen Gedanken. Weil es passiert wirklich nichts.

Anfangs verschwinden sehr schnell die letzten Sonnenstrahlen in den Wipfeln. Dann bleibt alles die meiste Zeit gefühlt gleich. Kein Vogel, kein Tier, kein Blatt. Benning hat die Einstellung zweimal gedreht und sich für diese entschieden, da in der anderen der Wind zuviel Bewegung reinbrachte. Und weil tatsächlich ein Blatt durchs Bild segelte und Benning es einfacher fand, das ganze nochmal zu drehen, als das Blatt digital zu retuschieren.

Denn was Benning zeigen will, worauf der Film reduziert werden soll, ist das Dunkelwerden. Man merkt es aber zunächst nicht. Nur wenn man kurz wegnickt und für zwei Minuten die Augen schließt, sieht man die Veränderung der Lichtstimmung. Das ist wie mit dem Frosch im Kochtopf. M.B. hat es ausprobiert. Dann aber in der letzten halben Stunde geht alles sehr schnell. Dunkler und dunkler wird es, so dass mir sogar der Gedanke kommt, da sei langsam abgeblendet worden. Und plötzlich kommen die Wahrnehmungsverschiebungen und Astlöcher bilden Gesichter, schattige Baumstümpfe werden zu missgebildeten Gnomen.

Dramatischer (ja!) wird es zusätzlich durch die zum Ende hin spektakuläre Soundkulisse, der immer lauter quakenden Frösche eines im Bild nicht sichtbaren Tümpels. Vorher vernimmt man etliche Vogelgesänge, ein, zwei Geländewagen, knackende Äste, und ein stetes Rauschen wahr.

Zuletzt bleibt zwischen den Bäumen ein Himmelsfleckchen übrig, das sehr deutlich ein zur Fratze verzogenes Kleinkindgesicht erkennbar macht. Als mache sich jenes Kind über die Zuschauer lustig, das ganz am Anfang des Films in der ersten Reihe sitzend in die Waldstille hineinquiekte, bis es nach zehn Minuten mit seinen Eltern den Kinosaal verließ. Worüber selbst ich sehr froh war.

Und dann, am Ende Finsternis. Ach, und so schnell vorbei?

Wie wir vor Jahren schon mal im Filmkritik-Blog diskutierten, ist dies nun endlich Bennings konsequenteste Umsetzung seines (film)politischen Konzeptes. Damals hatte er immerhin noch 10 Einstellungen in einem Film versammelt, was mir bei seinem Anliegen Zeit radikal darzustellen, etwas inkonsequent vorkam. Aber es lag wohl vor allem an der technischen Beschränkung. 16mm-Rollen sind halt nur 10min lang. Digital ist besser.

Wie weit er das Spiel mit den langen Einstellungen formal noch treiben kann, frag ich mich. Scheinbar probiert er selbst schon neue Formen aus: die Re-Montage von Youtube-Material.

Der Film “Nightfall” gehört zu der jetzt auch in Berlin zu sehenden Ausstellung Two Cabins von Benning, in der es um die beiden Eskapisten Henry David Thoreau und Ted Kaczynski, dem “Una-Bomber”, die beide lange, einsam in Waldhütten hausten, geht. Scheint schon eine Weile zu gehen, dieses Cabin Project.